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Schlepper Post 2013 - 2

Zeitschrift, 124 Seiten

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5,61 €

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Inhalt Schlepper Post 2/2013

aus dem Inhalt:

Johann Pinzger war das, was man heute als Multitalent bezeichnen würde: ein begabter Konstrukteur, der sich auf verschiedenen Technikgebieten engagierte, und ein zielstrebiger „Macher“. War es zunächst die heimische Versorgung mit elektrischer Energie, die ihn aktiv werden ließ, so war es später die Mechanisierung der Landwirtschaft, die er verbessern wollte. Milch- und Materialtransportanlagen hatten es ihm angetan, und mit einer selbstfahrenden und sogar patentierten Mähmaschine gewann er sogar Preise. Die Weltwirtschaftskrise brachte das kleine Unternehmen aber alsbald in Schwierigkeiten. Erst als der Schmiedemeister Max Hartmann durch Heirat in den Besitz von Anteilen am Pinzgerschen Betrieb gelangte, ging es aufwärts. Nach vorhandenen Plänen und Modellen legte der einen Traktor mit 11-PS-Hatz-Diesel und Differentialsperre auf, der sich recht gut verkaufte. Später folgten weitere Modelle mit 7 und 14 PS, die über Sendling-Motoren verfügten. Unter einem glücklichen Stern stand der Betrieb allerdings auch diesmal nicht: Materialknappheit im Krieg zwangen schon 1940 zur Produktionseinstellung, und 1945 nahmen die französischen Besatzer nahezu das gesamte Inventar mit. Bis dahin waren rund 100 Traktoren gebaut worden, in der Folgezeit wurden aber nur noch Landmaschinen repariert.
    
Ein Faible für alte Traktoren hatte Martin Letscher schon lange. Den letzten Anstoß, sich einen eigenen Schlepper zuzulegen, erhielt er durch einen Traktor-Geschicklichkeitswettbewerb. Allerdings erwies sich der erste Schlepper als Reinfall: Er hatte ihn im Nachbardorf geschenkt bekommen, aber wie das mit „geschenkten Gäulen“ halt so ist: Der R 16 A war so verrottet, dass die geplante Restaurierung glatt ausfiel. Wenig später gelang es Letscher dann, einen weiteren R 16 A zu ergattern. Der war in ordentlichem Zustand, überlebte die folgenden zwei Jahrzehnte als vorzeigbarer Oldtimer, begleitete seinen Besitzern zu zahlreichen Oldiefesten, unterstützte die Familie aber auch bei der Grundstückspflege und beim Hausbau. Erst Silvester 2011 fiel der Entschluss, das gute Stück komplett zu restaurieren, was in den folgenden Wochen mit tatkräftiger Unterstützung durch den Sohn, Verwandte und auch den ein oder anderen Fachbetrieb sehr schön gelang.